Neues aus der Rheumatologie

Wien (pts039/11.10.2016/14:20) – Der rheumatische Formenkreis besteht aus hunderten verschiedenen Erkrankungen des Bewegungs- und Stützapparates. Einer der Hauptauslöser sind Störungen des Immunsystems. Nicht nur die Gelenke, sondern auch viele anderen Organe können erkranken. In den letzten Jahren wurden bahnbrechende therapeutische Fortschritte erzielt – zum einen durch innovative Medikamente, zum anderen durch Verbesserungen in der Versorgungsstruktur.

Erhöhtes Risiko für Herz und Kreislauf „Während früher davon ausgegangen wurde, dass entzündlich-rheumatische Erkrankungen ausschließlich in den Gelenken Schäden verursachen, ist heute belegt, dass es im ganzen Körper zu negativen Auswirkungen kommen kann, insbesondere auch im Herz-Kreislauf-System“, erklärt Prim. Univ.-Prof. Dr. Marcus Köller, Ärztlicher Direktor SMZ Sophienspital Wien, Facharzt für Innere Medizin, Rheumatologie und Geriatrie. Als Hauptursache dafür wird angesehen, dass chronische Entzündungsprozesse ein rascheres Voranschreiten von Arteriosklerose verursachen (1).

In einem aktuellen Review wurde errechnet, dass die Gesamtmortalitätsraten im Vergleich zur Gesamtbevölkerung bei Patienten mit Rheumatoider Arthritis um das 1,3- bis 2,3-Fache, bei Morbus Bechterew (AS) um 1,5- bis Zweifache und bei Psoriasisarthritis (PsA) etwa um das 0,8- bis 1,6-Fache erhöht ist. Bei RA ist das kardiovaskuläre Risiko mit jenem von Diabetikern oder Bluthochdruckpatienten vergleichbar (2). Darüber hinaus gibt es auch Erkrankungen im breiten Spektrum der rheumatologischen Autoimmunerkrankungen, welche Herz und Gefäße direkt schädigen, v.a. Kollagenosen (wie SLE, systemische Sklerose) oder die Vaskulitiden (Gefäßentzündungen).

Statistisch gesehen sterben Rheumapatienten rund sechs bis zehn Jahre früher, meist an Herzinfarkt oder Schlaganfall, so Prim. Köller: „Für Betroffene ist daher besonders wichtig, auf einen gesunden Lebensstil zu achten, das heißt v.a.: nicht rauchen, ausreichend bewegen und Normalgewicht anstreben.“ Darüber hinaus gilt es, andere kardiovaskuläre Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes und erhöhte Blutfettwerte zu reduzieren.

Augenbeteiligung bei Rheuma Entzündlich-rheumatische Erkrankungen sind auch häufig mit Erkrankungen der Augen vergesellschaftet. „Diese können bereits vor, während, aber auch nach dem Auftreten einer Gelenkserkrankung beginnen, je nach vorliegendem Rheuma-Typ unterschiedliche Formen annehmen und in ihrer Ausprägung von relativ harmlos bis hin zur Erblindung reichen. Sie können auch als Nebenwirkungen einer Rheumatherapie entstehen und anfangs ohne Symptome sein“, betont Univ.-Prof. Dr. Talin Barisani-Asenbauer, Fachärztin für Augenheilkunde und Optometrie. Die Diagnose von rheumatisch bedingten Augenerkrankungen gestaltet sich oft schwierig. Daher sind für Betroffene regelmäßige augenärztliche Untersuchungen wichtig – insbesondere bei kindlichem Rheuma (Juvenile idiopathische Arthritis, JIA) – sowie eine gute interdisziplinäre Zusammenarbeit von Rheumatologen und Augenärzten, um möglichst frühzeitig die individuell optimale Behandlung zu bekommen. Rheumapatienten ist generell zu empfehlen, sich bei Auftreten von Augenbeschwerden wie Fremdkörpergefühl, Lichtempfindlichkeit, Schlieren-Sehen, Sehverminderung oder Organgefühl (Spüren des Auges) sobald als möglich an einen Augenarzt zu wenden.

Vielfältige therapeutische Fortschritte „In der medikamentösen Therapie rheumatischer Erkrankungen wurden in den letzten Jahren bahnbrechende Erfolge erzielt“, erläutert Dr. Rudolf Puchner, Facharzt für Innere Medizin und Rheumatologie in Wels, Präsident elect der Österreichischen Gesellschaft für Rheumatologie (ÖGR). Mittlerweile gibt es mehr als ein Dutzend Biologika und bereits die ersten Biosimilars. Als Nächstes werden sogenannte „small molecules“ auf den Markt kommen, die erstmals eine orale Therapie ermöglichen. Auf der anderen Seite lassen sich maßgebliche Verbesserungen der Versorgungsqualität im niedergelassenen Bereich erzielen – dieser Bereich ist der ÖGR ein besonderes Anliegen. Insbesondere zwei Arbeiten besitzen Vorbildcharakter und wurden heuer in renommierten Journalen publiziert.

So haben Rheumatologen in Oberösterreich eine Akutsprechstunde für Patienten eingeführt und die Resultate evaluiert (3). Die Wartezeit beträgt maximal eine Woche, die Begutachtungszeit maximal 15 Minuten. Ziel dieser Initiative ist es, die Zeit bis zum Behandlungsbeginn zu verkürzen. Ergebnis: 72 Prozent der an rheumatoider Arthritis (RA) Neuerkrankten wurden binnen drei Monaten gefunden. Bei einer Vergleichsgruppe (vor Etablierung der Akutsprechstunde) waren dies nur etwa 16 Prozent. Nach sechs Monaten wurden alle insgesamt 335 Patienten reevaluiert. Dabei zeigte sich eine Diagnosetreffsicherheit von 90 Prozent. Damit konnte erstmals gezeigt werden, dass im niedergelassenen Setting ein vergleichbar gutes Ergebnis wie im Krankenhaus erzielt werden kann.

Darüber hinaus wurde österreichweit die interdisziplinäre Kooperation von Allgemeinmedizinern und Rheumatologen untersucht (4). Resultate: Bei Verdacht auf RA wurden von den meisten befragten Ärzten spezifische Labortests sowie ein Röntgen der betroffenen Gelenke vor Überweisung zum Spezialisten empfohlen. RA, Spondyloarthritis, Psoriasiarthritis und Bindegewebserkrankung wurden als Indikation zur Überweisung an einen Rheumatologen erachtet. Die meisten Allgemeinmediziner und Rheumatologen waren der Ansicht, dass die Therapie mit krankheitsmodifizierenden Substanzen (DMARDs) von einem Spezialisten initiiert werden sollte und dass für die weitere Betreuung der Hausarzt zuständig ist. Begleitende Follow-up-Visiten beim Rheumatologen in Drei- bis Sechs-Monatsintervallen wurden befürwortet. Auf Basis dieser Ergebnisse wurde ein gemeinsamer Algorithmus für eine optimale Versorgung von Rheumapatienten entwickelt.

Information für Arzt und Patient Information & Aufklärung sind wichtig – aus diesem Grunde organisieren die österreichische Rheumaliga (ÖRL) und die ÖGR regelmäßig Patienten- und Ärztefortbildungen. Die ÖRL ist eine ehrenamtlich geführte österreichweite, parteipolitische und religiös neutrale Selbsthilfeorganisation von Rheumakranken und Angehörigen mit dem Ziel, die gemeinsamen Interessen der Betroffenen mit einer rheumatischen Erkrankung zu fördern und ihnen beim Umgang mit der Krankheit zu helfen, Betroffene zu informieren, zu beraten, zu unterstützen und zu begleiten.

Termine im Herbst: Rheumatage und Projekt „Gut leben mit Rheuma“

„Gut leben mit Rheuma“ ist das neue Gesundheitsprojekt der ÖGR, bei dem im Rahmen von Wochenend-Modulen ein Rheuma-Expertenteam über neue medizinische sowie wissenschaftliche Erkenntnisse aus den Bereichen Ernährung, Sport und Bewegung, physikalische und ergotherapeutische Maßnahmen, Entspannungstechniken, soziale Aspekte in der Arbeitswelt und Motivationstraining referiert. Die ersten beiden Module finden von Freitag, 14., bis Sonntag, 16. Oktober 2016, unter dem Motto „Rheuma hat viele Gesichter – ein Projekt für Jung und Alt“ und von Freitag, 11., bis Sonntag, 13. November 2016, zum Thema „Jung und Rheuma – Gibt’s nicht! Was nun?“ in Bad Häring (Kufstein, Tirol) statt. Die Teilnahme an den Workshops ist kostenlos, nur Kost und Logis müssen selbst übernommen werden. Zimmeranfragen und -buchungen: Ferienland Kufstein, Tel. 05372/622 07 20, l.benckiser@kufstein.com Weitere Infos, detailliertes Programm und Anmeldung: http://gutlebenmitrheuma.at

Rheumatag Stockerau am Mittwoch, 12. Oktober, ab 13 Uhr im City Hotel Stockerau (Hauptstraße 49, 2000 Stockerau) unter dem Motto „Rheuma hat viele Gesichter – ob jung oder alt – es kann jeden treffen!“. Der Eintritt ist frei.

Grazer Rheumatag am Mittwoch, 19. Oktober, ab 13 Uhr im Hotel Das Weitzer (Grieskai 12-16, 8020 Graz) unter dem Motto „Rheuma hat viele Gesichter – ob jung oder alt – es kann jeden treffen!“. Der Eintritt ist frei. Weitere Infos: http://www.rheumaliga.at oder http://www.rheumatologie.at

Villacher Rheumatag am Samstag, 5. November, ab 13 Uhr im Warmbaderhof – Parksalon (Kadischenallee 22-24, 9504 Warmbad-Villach) unter dem Motto „Rheuma hat viele Gesichter – ob jung oder alt – es kann jeden treffen!“. Der Eintritt ist frei.

16. Wiener Rheumatag am Mittwoch, 23. November, von 11 bis 16.30 Uhr beim 16. Wiener Rheumatag im Rathaus – Festsaal, Lichtenfelsgasse 2, 1010 Wien unter dem Motto „Lebensqualität mit Rheuma“. Der Eintritt ist frei. Aufzug vorhanden. Weitere Infos: http://www.rheumaliga.at oder http://www.rheumatologie.at

Literatur: (1) Von Hundelshausen P, Weber C. Chronische Entzündung und Atherosklerose. Dtsch Med Wochenschr 2013;138:1839-1844. (2) Agca R, Heslinga SC, et al. Atheroslerotic cardiovascular disease in patients with chronic inflammatory joint disorders. Heart 2016;102:790-795. (3) Puchner R, Janetschko R, Kaiser W, Linkesch M, Steininger M, Tremetsberger R, Alkin A, Machold K. Efficacy and Outcome of Rapid Access Rheumatology Consultation: An Office-based Pilot Cohort Study. J Rheumatol. 2016 Jun;43(6):1130-5. doi: 10.3899/jrheum.151210. Epub 2016 Apr 1. (4) Puchner R, Edlinger M, Mur E, Eberl G, Herold M, Kufner P, Puchner A, Puchner SE, Redlich K, Alkin A, Machold K. Interface Management between General Practitioners and Rheumatologists-Results of a Survey Defining a Concept for Future Joint Recommendations. PLoS One. 2016 Jan 7;11(1):e0146149. doi: 10.1371/journal.pone.0146149. eCollection 2016.

Links:

Österreichische Rheumaliga http://www.rheumaliga.at

Österreichische Gesellschaft für Rheumatologie http://www.rheumatologie.at

Audiobeiträge vom Pressegespräch (kostenlose Registrierung für JournalistInnen): http://o-ton.at/component/mfoton/5791?view=content

Bilder vom Pressegespräch: http://dest.preiss.at/?pic=1476182131

Digitale Pressemappe (PDF-Download) http://hennrich-pr.at/upload/editor/Pressemappe_Rheumatag_2016.pdf

(Ende)

Aussender: Hennrich.PR Ansprechpartner: Daniela Hennrich Tel.: 01 879 99 07 E-Mail: office@hennrich-pr.at Website: www.rheumaliga.at